Seek Thermal Compact

Seek Thermal Compact
8.6

BEDIENUNG

9.0 /10

FUNKTIONSUMFANG

7.5 /10

AUFLÖSUNG

8.0 /10

VERARBEITUNG

9.5 /10

PREIS/LEISTUNG

9.0 /10

Vorteile

  • Hohe Auflösung unter den Smartphone-Geräten
  • Größer Temperaturbereich
  • Video-Aufnahme
  • Kompakt
  • Aufbewahrungsbox

Nachteile

  • Teures Modell in der Kategorie
  • Kein Image-Combining
  • Stromverbrauch
  • Emissionsgrad nicht einstellbar

Die Seek Thermal Compact Wärmebildkamera ist eines der leistungsfähigsten Geräte für Smartphones. Es gibt ein Standard Modell* und eine Extended Range Version* für einen preislichen Aufschlag.

Wir haben das Gerät ausführlich getestet und stellen Ihnen die beiden Varianten im Vergleich vor.

Erfahren Sie mehr über mögliche Anwendungsgebiete, sowie die Stärken und Schwächen dieses Wärmebildkamera-Aufsatzes für Handys!

Seek Thermal Compact Standard Range / Extended Range im Test

Inbetriebnahme, Verpackung und erster Eindruck

Die Seek Thermal Compact ist eine Wärmebildkamera-Aufsteckgerät für Smartphones wie das iPhone und bietet bereits eine erstaunliche Performance. Es wurde entwickelt in Kalifornien, USA und ist seit Mitte 2015 in Deutschland erhältlich.

Zielgruppe sind Technikbegeisterte und Interessenten der Thermografie. Auch für alle, die ein kompaktes IR-Gerät zum Mitnehmen brauchen, sind bei der Seek Thermal richtig.

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Achtung:

Der Hersteller Seek hat sein Produktportfolio um die “Seek Reveal” erweitert. Jetzt heißt die Seek Thermal – die sein erstes Produkt war – “Seek Compact” bzw. “Seek CompactXR“.

 

Die Wärmebildkamera ist mit vielen Android und iPhone Geräten kompatibel und wird über einen Stecker an das Handy unten am Lightning / Micro-USB Connector angeschlossen. Die Verpackung erfüllt ihren Zweck und verweist für mehr Informationen auf die Homepage und die dazugehörige App.

Die Aufbewahrungsbox ist sehr stabil.

Die Aufbewahrungsbox ist sehr stabil.

Lobenswert sind die sehr stabile mitgelieferte Aufbewahrungsbox und das robuste Gehäuse der Kamera selbst. Der Hersteller gibt an, dass die Transportbox sogar wasserfest wäre – Pluspunkt auch dafür. Der Verschluss der Box ist wirklich sehr fest und ein versehentliches Öffnen wird gewiss nicht eintreten.

Die Wärmebildkamera selbst ist fast schon so klein, dass man aufpassen muss, sie nicht zu verlieren. Einen kleinen Sturz hat sie im Test unbeschadet überlebt. Sie passt in jede Hosentasche und kann damit überall mitgeführt werden. Bei Bedarf wird Sie einfach schnell an das iPhone oder Android-Handy gesteckt und los geht’s. Perfekt für Heimwerker die eine Wärmebildkamera immer Griffbereit haben wollen. Wegen der kompakten Maße hat sie in jeder Hostentasche Platz. Auch ein kleiner Ring der für die Öse der Box passt wird mitgeliefert und erlaubt die Anbringung einer Trageschlaufe.

Mit einem Rechts-Sweep landet man direkt in der App.

Mit einem Rechts-Sweep landet man direkt in der App.

Das iPhone erkennt sofort das Gerät und bietet an, entweder die passende Software aus dem App-Store zu laden, oder – falls diese schon installiert ist – die App zu starten. Pluspunkt also für die gut integrierte App. Für Android-Benutzer gibt es natürlich äquivalent dazu im Play-Store von Google die passende App.

Interessanterweise kann die Kamera beim iPhone auf zwei verschiedene Arten angeschlossen werden. Da der Lightning-Stecker symmetrisch ist, kann man die Kamera normal nach vorne gerichtet anschließen, oder quasi wie im Selfie-Modus zum Benutzer selbst.

Leider ist ca. alle zwei Sekunden ein Klickgeräusch zu hören, das manch einer als störend empfindet. Dies ist die Selbst-Kalibrierung des Sensors und führt bei der Videoaufnahme zu einer sehr kurzen Unterbrechung des Videos. Auch andere Wärmebildkameras führen diese Kalibrierung durch, aber bei der Seek Thermal Compact macht sich dies eben akustisch bemerkbar. Bei der Fotoaufnahme ist dies aber nicht zu erkennen und stört an sich auch nicht weiter.

Bilder und Praxistest

Passt beim iPhone 5 trotz Schutzhülle

Passt beim iPhone 5 trotz Schutzhülle.

Das Standard-Modell verfügt über einen Fix-Fokus und muss also nicht gesondert eingestellt werden. Das vereinfacht die Bedienung etwas, da man sich voll auf das thermische Bild konzentrieren kann.

In der Extended-Range Variante kann vorne über ein Drehrad das Objektiv so verändert werden, bis man ein scharfes Bild erhält. Dies kann etwas dauern, aber die schärfste Einstellung ist meist eindeutig zu finden. Die XR-Version kann deshalb eine viel höhere Sichttiefe abdecken und hat auch ein kleineres FOV.

Zusätzliche Darstellungs-Modi.

Zusätzliche Darstellungs-Modi.

Obwohl die Sensor-Auflösung für ein Smartphone-Aufsatz sehr hoch ist, wäre eine echte Bild-Fusion wünschenswert gewesen. Das hilft bei der Erkennung der Objekte im IR-Bild ungemein und wertet die Bilder auch hinsichtlich der Verwertbarkeit auf. Die Wärmebilder der Seek Thermal wirken etwas körnig, eine Glättung per Software kann aber im Menü aktiviert werden.

Trotz häufiger Selbst-Kalibrierung, ist die Temperaturerfassung etwas ungenau, dies beeinflusst aber das Bild an sich jedoch nicht. Die relativen Messwerte wurden im Test aber gut erfasst. Die thermische Empfindlichkeit der Wärmebildkamera ist also lobenswert. Eine Einstellmöglichkeit für den Emissionskoeffizienten wäre gut gewesen und hätte die absoluten Messwerte wahrscheinlich auch verbessert.

Die Temperaturdaten drehen sich nicht mit.

Die Temperaturdaten drehen sich nicht mit.

Das passende Smartphone App hat vielfältige Einstellmöglichkeiten, zum Beispiel kann ein Temperatur-Schwellwert festgelegt werden, ab dem nur heißere Temperaturen markiert werden. Auch eine Temperatur Min / Max Erfassung ist möglich. Die Temperaturerfassung dreht sich normalerweise nicht mit, wenn man das Smartphone um 90 ° dreht. Man muss dafür gesondert die Rotationssperre des Smartphones deaktivieren.

Abzüge gibt es im Test für den hohen Stromverbrauch dieses Wärmebildkamera-Moduls. Ein iPhone 5 Akku hält mit der Seek Thermal leider nicht all zu lange. Macht man wirklich intensiv viele Bilder und Videos, kann nach einer halben Stunde schon Schluss sein. Man sollte daher ein Ladegerät griffbereit haben. Als kleinen Trick kann man auch in den Flugzeugmodus gehen und die Display-Beleuchtung runterfahren um zusätzlich Strom zu sparen.

Fenster mit der Seek Thermal aufgenommen.

Fenster mit der Seek Thermal aufgenommen.

Diese günstige Wärmebildkamera liefert bereits ganz ordentliche Bilder von Fenstern in Innenräumen. Damit sind bereits erste Aussagen über den Zustand der Isolierung und Dichtung zu machen. Auf jeden Fall ist die Standard Version der Seek Thermal Compact hier im Vorteil, wenn man wenig Platz hat.

Die Wärmebildkamera arbeitet bei Nacht genauso gut wie tagsüber, da der Sensor nur die Infrarot-Strahlung erfasst. Es lässt sicher aber sagen, dass man im Winter bessere Bilder erzeugen kann. Besonders bei Außenaufnahmen von Gebäuden sieht man Dank des höheren Temperaturkontrastes auch die Details besser. Auch bei der Suche nach Tieren oder Personen vereinfacht sich die Anwendung im Winter bedeutend. Ein Körper mit 30 ° C fällt in einem 2 ° C Hintergrund schnell auf. Will man jedoch Solarparks und Solarmodule untersuchen sollten diese jedoch bereits warm sein, also Leistung abgeben damit man thermische Auffälligkeiten leichter entdecken kann.

 
 

Technische Spezifikationen

Mit einer Auflösung 206 x 156 Pixel liegt es zwar im Vergleich mit herkömmlichen Wärmebildkameras im Einsteigerbereich, ist aber dafür unter den Smartphone-Aufsätzen der Spitzenreiter. Tatsächlich ist das Gerät relativ günstig, da Wärmebildkameras schnell einige tausend Euro kosten können.

Beide Varianten verfügen über einen erfassbaren Temperaturbereich von -40 °C bis 330 °C was sehr gut ist. Der dazugehörige Wellenlängenbereich erstreckt sich von 7,2 µm bis 13 µm. Auch sind beide gesondert für eine Reihe von Android-Smartphones und iPhones erhältlich. In der Standard Version beträgt das Sichtfeld 36 ° und in der Extended Range Version 20 °. Mit einem Gewicht von nur 14 g und einer Größe von 4,4 x 2,5 x 2,5 cm ist sie vielleicht die kleinste Wärmebildkamera auf dem Markt.

Seek Thermal Reichweite

Reichweite der Seek Thermal XR.

Die Reichweite der Standard Version wird laut Hersteller mit 304 Metern angegeben. Im Vergleich dazu schafft die XR mit 548 Metern fast doppelt so viel. Es muss dabei aber auch zwischen “Detektieren”, “Erkennen” und “Identifizieren” unterschieden werden.

Die App von Seek Thermal

Die App erlaubt zahlreiche Einstellmöglichkeiten für die Wärmebildkamera. Die Anzeige kann so konfiguriert werden, dass erst unter oder über einer Schwelltemperatur die entsprechenden Bereiche farblich markiert werden. Auch eine farbliche Selektion einer Isotherme ist möglich. Sehr praktisch ist die aktivierbare Funktion zur automatischen Markierung des wärmsten und kältesten Punktes im Bild. Eine einfache Temperaturmessung in der Mitte des Bildes (Fadenkreuz) ist natürlich auch möglich. Es fehlt aber eine Skala des abgedeckten Temperaturbereiches. Die Umschaltung zwischen Bild- und Videomodus ist einfach mit einem Button möglich. Eine Begrenzung der Aufnahmedauer konnten wir im Test nicht feststellen, ist aber wahrscheinlich letzten Endes durch die Akkulaufdauer beschränkt.

Als Temperatureinheiten stehen Celsius, Fahrenheit und Kelvin zur Verfügung. Das Anzeigeformat kann zwischen 16:9 und 4:3 beliebig gewählt werden. Datum und Uhrzeit sowie GPS-Koordinaten und das Seek-Logo werden wahlweise als Wasserzeichen eingeblendet. Geo-Tagging der JPEGs kann auch seperat aktiviert werden. Für die Preiskategorie der Seek Thermal Compact ist dies natürlich schon sehr gut.

In unserem Testvideo sehen Sie alle einstellbaren Funktionen noch einmal:

Umfangreiche Auswahl an Farbpaletten

Ein weiterer Pluspunkt dieser Wärmebildkamera ist, dass eine Reihe von Farbpaletten zur Auswahl stehen: “White”, “Black”, “Iron”, “Cool”, “Amber”, “Indigo”, “Tyrian”, “Glory” und “Envy”. Das lässt hier keine Wünsche mehr offen.

Sichtbares Spektrum

Sichtbares Spektrum

White

White

Tyrian

Tyrian

Iron

Iron

Indigo

Indigo

Glory

Glory

Envy

Envy

Cool

Cool

Black

Black

Amber

Amber

Die Farbpalette “White” bzw. “Black” eignet sich hervorragend, wenn man in der Dunkelheit eine Sichthilfe braucht. Will man aber ein lebendiges Objekt aus der Entfernung detektieren ist die Palette “Glory” ganz gut, obwohl es eher zum Rauschen neigt. “Tyrian” liefert für den Menschen relativ vertraute Bilder die leicht zu interpretieren sind. Bei der Untersuchung eines Autos in der Werkstatt hat sich die Farbpalette “Amber” ganz gut gemacht. Auch auf dem Solar-Park ist “Amber” vielleicht die beste Einstellung um defekte Zellen aufzuspüren.

Probleme bei der Bild-in-Bild Darstellung

Die Bild-in-Bild Darstellung ist mangelhaft.

Die Bild-in-Bild Darstellung ist mangelhaft.

Was nicht richtig im Test funktioniert hat ist die Bild-Überblendung. Dabei kann man in der App das sichtbare Bild der in dem Smartphone integrierten Digitalkamera neben dem IR-Bild hinzuschalten. Diese stehen dann nebeneinander und die “Trennwand” kann beliebig zwischen IR-Bild und sichtbares Bild verschoben werden. Die Anzeige der Beiden nebeneinander bleibt aber immer horizonal – egal wie das Smartphone gedreht wird. Leider ist die Abstimmung der beiden Bilder nicht brauchbar. Seek hat vermutlich für jedes Smartphone eine Kalibrierung vornehmen müssen, da ja IR-Sensor und CMOS-Sensor von Handy zu Handy unterschiedlich weit entfernt sind. Dies ist natürlich sehr schwierig und klappt in unserem Test mit einem iPhone 5 einfach nicht. Andere Benutzer berichten von ähnlichen Erfahrungen mit diesem Darstellungsmodus.

Andere Wärmebildkameras lösten das Problem, indem sie IR-Sensor und Digitalkamera-Sensor fest nebeneinander integrieren. Auch eine nachträgliche Kalibrierungsoption und Einstellung des Objektabstandes ist nicht ungewöhnlich.

Diese Bild-in-Bild Funktion von Seek Thermal ist wohl mehr als Gimmick zu verstehen, hat aber beim Praxis-Einsatz keine Verwendungsmöglichkeit. Besser ist es einfach gesondert ein Foto von dem untersuchten Objekt mit dem Handy oder einer DSLR anzufertigen.

Die Video-Funktion der Seek Thermal Compact

Die Kamera kann auch Videos aufzeichnen jedoch beträgt die Bildwiederholfrequenz maximal 9 Hz und es wird kein Ton aufgenommen. In unserem Beispielvideo ist ein Ruckeln (Kalibrierung) bei der Aufnahme zu erkennen. Ansonsten wirkt die Bildqualität des Videos relativ gut und wenig verwackelt. Das 50 Sekunden dauernde Testvideo benötigt auf dem iPhone ca. 19 MiB.

Anwendungsgebiete

Mögliche Anwendungsbereiche:

Standard RangeExtended Range

  • Immobilien

  • Sanitärtechnik

  • Geräte

  • Elektrik


  • Wild-Jagd

  • Schifffahrt

  • Camping

  • Tier-Suche

  • Sicherheitswesen

  • Technik

Die Standard Version ist also überall dort gut, wo ein großes Sichtfeld gewünscht ist. Also in Innenräumen, bei der Untersuchung von technischen Geräten. Ideal ist die Ausführung auch bei der Kontrolle von Schaltschränken und Sicherungen.

Auch Solarparks können kontrolliert werden.

Auch Solarparks können kontrolliert werden.

Die Stärken der Extended Range Version liegen in der hohen Sichttiefe. Wegen dem einstellbaren Fokus ist sie ideal zur Überwachung von einem Gelände oder bei der Suche nach Tieren. Auch bei der Jagt ist sie praktisch um das erlegte Wild wieder zu finden. Die Reichweite ist sehr hoch und Personen können auch hinter Büschen und Ästen aus großer Entfernung entdeckt werden.

Will man Elektronik untersuchen ist die XR-Version auch vorzuziehen. Man stellt den Fokus einfach für eine Nahaufnahme ein und der Experte kann selbst kleinste SMD-Bausteine erkennen und untersuchen. Soll aber ein Fenster untersucht werden ist ein Abstand von mindestens 4 Metern notwendig, was oft unpraktisch ist. Dann ist die Wahl der Standard Version besser. Zur Untersuchung von Solarparks eignen sich beide Versionen ganz gut. Man kann schnell größere Ausfälle entdecken und bei Bedarf genauer untersuchen.

XR-Version bei der Jagdt

XR-Version bei der Jagd.

Lieferumfang

  • seekthermalSeek Thermal Compact Wärmebildkamera
  • Hartplastik Spritzwasserfeste Aufbewahrungsbox
  • Schlüsselring für Aufbewahrungsbox

Erwähnenswert ist, dass es einen im Handel erhältlichen Befestigungsrahmen für diese Wärmebildkamera gibt, womit es auf ein Kamera-Dreibein montiert werden kann. Über ein Verlängerungskabel kann es dann an das Smartphones angeschlossen werden.

Dies macht Sinn, wenn man hochwertige Bilder erzeugen will und den erfassten Blickwinkel und Ausschnitt beibehalten will. Wird bei der Aufnahme die Kamera sehr ruhig gehalten, holt man wirklich das maximale aus der Bildqualität heraus.

Fazit – Seek Thermal Compact Wärmebildkamera-Ansteckmodul

Seek Thermal Compact XR Award-RatingEine faszinierende Kombination aus Mobilität und Performance machen die Seek Thermal für Bauherren, Sicherheitsdienste und Heimwerker zu dem idealen Profi-Tool zum Mitnehmen.

Für wenig Geld kann man mit der Seek Thermal Compact technisch aufrüsten und einen Einstieg in die Thermografie machen. Sie hat ein paar kleine Schwachstellen wie der hohe Stromverbrauch, und die mangelhaft Bild-Überblendung. Ansonsten aber sind die Aufnahmen durchaus brauchbar und können sich mit sehr viel teuren Wärmebildkameras vergleichen lassen.

Grob kann man sagen, dass die Standard Version eher für drinnen gedacht ist und die XR-Version für Draußen. Wer also noch mehr Performance hinsichtlich Sichttiefe braucht, ist mit der Extended Range Version gut beraten. Insbesondere beim Objektschutz und auf der Jagt ist dieses Modell genau richtig.